GLÜCK ist doch nur eine Frage der Einstellung

Die Bildhauerin Maren Simon im Gespräch mit Tilda – Bisertha Grünemitten über das Glücklichsein im Allgemeinen und seine Schattenseiten im Besonderen, daraus resultierenden, zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie die Vorbereitungen zu ihrer Ausstellung „Geerdet Aufstrebend“, in der CCS Galerie in Suhl.

Liebe Frau Simon, Sie sind als selbständige und freiberuflich arbeitende Künstlerin anders getaktet, als ihre Mitmenschen es sind, die einen geregelten Tagesablauf haben. Sie spüren gewisse, mitunter ganz leise Schwingungen, die in der Luft liegen und verarbeiten diese künstlerisch. In Suhl werden wir in den nächsten Wochen einige dieser Ergebnisse, vieler Jahre Arbeit anschauen können. Sie sagen, während die Dosis das Gift machte, wie der Arzt und Naturforscher Paracelsus betonte, gäbe es zum Glücklichsein keine verbindlichen Mengenangaben, obwohl sicherlich auch zu viel an Glück mehr Schaden, als Nutzen anrichten könne. Für Sie ist Glück nur eine Frage der persönlichen Einstellung zum Leben. Und immer auch der Umstände! Erklären Sie uns das bitte genauer.

Wir waren in freudiger Urlaubsstimmung und mit der Vorbereitung hierzu beschäftigt, da bekam ich einen Brief mit Karte per Einschreiben zugesandt. Obenan der sinngemäß erhobene „Zeigefinger“ der Lehrerin, ob ich denn tatsächlich mit „der Situation glücklich“ sei. Wir fuhren wie geplant in die Ferien und ich entschied mich, eine eventuelle Beantwortung dieser übergriffigen Frage auf später zu verschieben. Die Post kam nämlich von meiner Mutter. Und die „Situationsfrage“ bezieht sich auf das allgemeine Unbehagen, das unsere Familie nun schon seit vielen, etlichen Jahren gefangen nimmt. Ich bin jedoch froh, endlich Abstand gewonnen zu haben.

Viel zu schön sollten unsere Ferientage erstmals auch mit Hund, werden! Ob bei strahlend blauem Himmel, Sonne oder Wind und Regen, wir machten jeden Tag zu einem kleinen Fest. Ich tankte auf diese Weise vor der letzten, immer heftigen Vorbereitungsphase bei der Ausstellungsvorbereitung, frische Luft und Energie. Wir besuchten in Dänemark Pünktchens Bruder „Akito“ und seine neue Familie und staunten, wie sich beide Hundchen rangelnd und voller Freude, förmlich in den Armen lagen. In unserem strohgedeckten, sehr gemütlichen Urlaubsdomizil mangelte es uns an nichts. Der nah gelegene Strand lockte jeden Tag und das grünlich schimmernde Meerwasser leuchtete so wunderbar klar, was wollten wir mehr? Unsere Hündin sprang vor Freude auf und ab, sie badete und buddelte im Sand, wie ein Kind und flitzte zwischen ihren beiden Menschen immer hin und her. Sie fühlte sich ganz offensichtlich gemeinsam mit uns, (zeitweise auch mit Sohn Carsten und Freundin Aline, die ebenfalls für ein paar gemeinsame Tage vorbeischauten), im urigen Fachwerkhäuschen pudelwohl.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Genauso ist es. Jeder empfindet anders. Ein jeder freut sich auch über anderes, mitunter nur über Kleinigkeiten. Mir sind es die im Urlaub an der See am Strand gefundenen Steine mit Loch, die sogenannten „Hühnergötter“ und solche, mit den tollsten Krusten und Strukturen auf ihrer Oberfläche oder auch bunte Glasscherben, die ich finde. Dem anderen reichen zum Glücklichsein die Sonne unter blauem Himmel, gepaart mit einer Brise Meer in den Haaren und Salz auf der Haut. All das ist umsonst zu haben und es kostet nichts, denn die Natur geht verschwenderisch mit ihren Schätzen um. Einfach wunderbar.

Jetzt fängt die Zeit der bunten Herbstblätter an, die in Unmengen von den Bäumen auf uns herab segeln, zu des einen Last und des anderen Freud! Das Unauffällige, wenig Spektakuläre nimmt in ihrem Leben, aber auch in Ihrem Schaffen, einen großen Stellenwert ein, kann man das so stehen lassen?

Glück hat für mich vor allem mit Genügsamkeit zu tun! Nicht zu verwechseln mit einem allzu „geringen“ Anspruch an das Leben generell. Ich habe dafür viele Beispiele parat, so auch dieses: wenn ich mit dem Hund auf Ackerwegen entlang laufe oder auch auf Wegen im Wald, dann habe ich immer einen Beutel dabei, ich meine nicht jene Tüte, an die Sie jetzt denken. Ich finde überall Scherben! Während der Hund seine Nase schnüffelnd nach unten richtet, um verschiedenste Spuren zu lesen, suche ich in ähnlicher Haltung auf zwei Beinen statt vieren den Boden ab, wenn es vermehrt Aussicht darauf gibt, an einer Stelle fündig zu werden. Schuttberge im Wald erregen mein Interesse; die oft darin verborgenen, scherbenen Fliesenreste machen mich happy. „Kleine Steinchen, kleines Glück sozusagen – genau wie die vielen „Herbstgeschenke“, die jetzt auf uns hernieder fallen.

Diese Jahreszeit mit ihren bunten, fallenden Blättern, ist in der Tat für mich eine der schönsten. Alle kommen zur Ruhe und bereiten sich auf den Winter vor. Die Sonne steht tiefer, erdige Farben gewinnen die Oberhand und bald werden uns zarteste Nebelschleier einhüllen und das Ende des Jahres verkünden. Was mancher als „sterbend“ empfindet, ist natürlichste Notwendigkeit, damit es im Frühjahr wie von Zauberhand, neu keimen und sprießen kann. Ich empfinde diese Wunder als eine einzige, von „oben“ aufs Genialste gelenkte, Performance.

Des Menschen „größeres“ Glück, erscheint allerdings oft nicht, weil man es will oder es gar nötig hätte, sondern besonders gern dann, wenn man nicht damit rechnet! So kam es, dass ich vor einiger Zeit überraschend von meiner ehemaligen Kommilitonin, der Malerin und Grafikerin Gabriele Just mit der ich gemeinsam in Leipzig studierte, am Telefon gefragt worden bin, ob ich in der von ihr betreuten CCS-Galerie in Suhl, eine Ausstellung realisieren wolle. Natürlich sagte ich zu. So kommt eine ganze Gruppe meiner „Kinder“, etwa 20 an der Zahl sind geplant, mal wieder an die frische Luft.

Sie klingen optimistisch, aber so unkompliziert wie Sie durchblicken lassen, ist es wohl nicht immer.

Aufrichtige Wertschätzung, noch dazu von einer anderen Frau zu erfahren, ist etwas Neues für mich. Allein, wie sich das anhört: die Simon in Suhl! Es freut mich auch, dass gerade wir Beiden mit den schon damals kürzesten Beinen, etwas zusammen stemmen werden, was es so auch noch nicht gab. Wie offen die Galeristin, Holzschneiderin und Malerin Just meine Plastik und vor allem auch die Bilder begutachtete, überraschte mich. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns aus Jugendtagen kennen und ebenbürtige Kolleginnen sind.

Ich bitte jetzt aber alle, die auf eine Einladung hoffen, um Entschuldigung. Denn leider schlichen sich auf der Einladungskarte zur Ausstellung etwas zu viele Fehler in den Text hinein! Sie wurde mir zur Abnahme nicht vorgelegt, weswegen ich nun keine verschicken werde. Das ist schade. Ich hoffe aber inniglich, dass dies die einzige Unannehmlichkeit gewesen ist und ansonsten, alles glatt über die Bühne gehen wird.

Ich bin gespannt und freue mich darauf von Ihrer „Welterfahrung“ zu profitieren. Warum sieht man Sie in der Öffentlichkeit nicht öfter? Es muss sich ja einiges angesammelt haben!

Es ist unglaublich anstrengend durch gerade einmal „spaltbreit“ offenstehende Türen schielen zu müssen in der Hoffnung, Gehör und vor allem Augenmerk zu erfahren. Bei mir blieben diese Bemühungen leider zu oft ohne jeden Erfolg. Da vergeht einem die Freude an der Sache. Nehmen Sie jetzt nur einmal den allseits begehrten Handwerker, den man bittet ein Problem lösen zu dürfen! Sein selbstbewusstes Auftreten wird genau durch diesen Sachverhalt – des an ihn mit einem Anliegen Herantretens – gestärkt, was umgekehrt bedeutet, wenig aufrechte Haltung trägt zur Erfolglosigkeit bei. Und Erfolglosigkeit bedingt eine wenig selbstbewusste, wenig aufrechte Haltung – ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt!

Sie sprechen mit sarkastischem Unterton und grinsen dabei.

Weil der Vergleich natürlich hinkt! Der Handwerker hat immer etwas zu bieten, was allseits gebraucht wird, seine Leistung ist begehrt. Selbst dann, wenn er kein Meister seines Faches ist, so kann er doch in der Regel gut von seiner Arbeit leben! Der künstlerisch arbeitende Mensch muss sich dagegen Bittstellend zu oft und zu tief beugen.

Manche von uns zerbrechen daran.

Ich beschäftige mich gedanklich nun schon seit Monaten mit der Präsentation meiner Arbeit in der Galerie, denn ich bin aus der Übung! Der aufwändige Transport meiner sensiblen und schweren Plastiken wird, wie schön, jedoch von Fachleuten übernommen, die sich mit Hilfe eines entsprechend fahrbaren Untersatzes, hoffentlich sorgfältig darum kümmern werden. Die unbequemen Transporte, aber auch die Hängung der Bilder und die Aufstellung der Plastiken samt diverser, selbst bereit gestellter Sockel, hatte ich in der Vergangenheit mit Hilfe des eigenen Autos, meist selbst zu stemmen. Deshalb breitet sich so etwas wie Glück in Form von Dankbarkeit in mir aus. Und Vorfreude auch. Auch ich werde nun einmal nicht jünger.

Dennoch scheinen Sie melancholisch gestimmt zu sein. Sie könnten sich wenigstens ein bisschen zurücklehnen, oder geben Sie Verantwortung nicht gern ab?

Ohne gegenseitiges Vertrauen und Achtung geht kaum etwas! Für mich ist immer auch interessant, die eigene Arbeit aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet, nämlich durch die Augen anderer Personen hindurch, anschauen zu dürfen. Je aufrichtiger die Worte dieses Betrachters, umso besser für mich. Und jetzt komme ich zu dem Einschreiben zurück, das mich wieder an meine ungeliebte Position innerhalb meiner Herkunftsfamilie erinnert.

Ausgerechnet von denen, die Ihnen am Nächsten stehen sollten, wandten Sie sich ab. Sie sagen, Sie wurden als „egoistisch“ und „karrieregeil“ wahrgenommen, als eine, die es zu maßregeln galt. Und Sie beklagen die Ressentiments, die Ihnen in diesem Zusammenhang angedichtet wurden. Die Tatsache, dass man den außergewöhnlichen, zu Besonderem veranlagten, empfindsamen Menschen in Ihnen missverstand, kränkte Sie sehr.

Und ich schaue voller Verwunderung auf die großen (meist männlichen) Strategen der Kunstszene! Obwohl sie teilweise unausstehlich waren, konnten sie sich auf ein ganzes Imperium, das hinter ihnen stand, verlassen. Nehmen wir als Beispiel Picasso: seine vielen traurigen, durch üble Behandlung geistig verwirrten, sehr wütenden Frauen! Als er bereits lange Tod war, legten zweie noch Hand an sich und brachten sich um! Die vielen Kinder, die Enkel, sogar die lieben Tiere – wir kennen sie alle! Es beeindruckt, wenn jemand derart viel Einfluss auf andere auszuüben vermag. Auch im Seniorenheim greift diese Strategie, wenn die Enkelbilder herumgereicht werden. Die Sorgen und Nöte einer künstlerisch tätigen Frau sind dagegen alles andere, als prickelnd.

Sie lachen. Ihnen den Humor auszutreiben, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein!

Maren Simon, „Teatime“, Höhe: 75 cm, 2018

Naja, ganz so lustig war das alles nicht. Darum zieren meine Selbstportraits abwechselnd zu große und gern auch lädierte Nasen! Die Nase ist ja ein sehr demonstratives Zeichen von Potenz und die beschädigte Nase ist daher ein Indiz für eingebüßte Macht. Und bei Skulpturen ist die Nase oft das favorisierte Körperteil, welches abfällt, wenn die Plastik unsachgemäß transportiert worden ist! Diese Doppelbödigkeit gefällt mir einfach ausgesprochen gut und kommt meinem Naturell entgegen. Weil mein „Größenwahn“ im Laufe der Jahre durch familiären „Feinabrieb“ gelitten hat, weshalb meine Nase „stumpf“ geworden ist, und ich darüber hinaus auch eine „glänzendgoldene“ Nase nie werde mein Eigen nennen können, bin ich selber sehr gespannt darauf, was ich von mir in Sachen „Selbstdarstellung“ künftig noch zu erwarten habe. Vorab müssen die paar Exemplare in der Ausstellung jedoch reichen.

Man spürt, dass Sie die Menschen, obwohl diese ihnen gewisse Probleme bereiten, doch auch lieben.

Es gibt nun einmal Berufe mit einem größeren Risiko (zudem, wenn man „Frau“ ist), andere Menschen zu reizen und zu provozieren. Da bleibt mir nichts weiter übrig, als über den Dingen zu stehen. Als Künstlerin komme ich nicht umhin, die Vorurteile meiner Mitmenschen, die sie gegenüber meiner unsteten Lebensführung haben, ertragen zu müssen und ihren misslichen Empfindungen ausgesetzt zu sein, wenn ich ihre Anspielungen und Anbiedereien nicht erwidere. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, statt übereinander zu reden, mehr miteinander zu diskutieren und sich darin zu üben, auch anderer Leute Wahrheit gelten zu lassen, neben der eigenen natürlich. Oft liegen die Sachverhalte beim Gegenüber ja ganz anders als gedacht, doch außer mir interessiert das keinen, denn ich bin nun einmal die, welche außerhalb der Mitte der Gesellschaft ziemlich allein an ihrem Rand steht und nicht die anderen.

Es heißt ja wohl deshalb auch sehr häufig, Künstler würden in „Elfenbeintürmen“ leben. Oft befinden sie sich fern ab von den anderen und dennoch ganz dicht dran an den Menschen! Doch das vergessen viele.

Und keinen interessiert, wieso sie das (nicht immer freiwillig) tun!

„Die beste Tarnung ist die Wahrheit. Die glaubt einem keiner“, wusste schon Max Frisch zu sagen. Fest steht jedenfalls, dass an bereits etablierter Kunst und da kommen die vielen Nachahmer ins Spiel, niemand rüttelt! Sie haben es immer vermieden sich bei anderen Künstlern zu bedienen und fanden stattdessen zu einer sehr eigenen Sprache innerhalb derer, Sie sich Ihrem Publikum mitteilen.

Als ich zum Beispiel versuchte, vor vielleicht 5 Jahren, eine Portraitplastik in Oldenburg dem dortigen Kunstmuseum vorzustellen, weil ich der Ansicht war, sie ist doch recht eigen und auch interessant geraten, kam von der Museumsleiterin eine ausweichende Antwort zurück; es sei noch zu früh für eine derart „drastische Darstellung“, die reinste Zumutung für die Hinterbliebenen. Ich lade dazu ein diesen Sachverhalt zu überprüfen, denn ich gedenke „Horst Janssen“ nach Suhl mitzubringen.

Und auch im „Hetjens“, dem Düsseldorfer Museum für Keramik, erntete ich vor vielen, vielen Jahren amüsierte, freundlichste Ablehnung, denn hier fanden mich die Damen, denen ich einen Katalog schickte, einfach nur lustig und steckten die Künstlerin Simon, in die Comic-Schublade. Der Katalog blieb dort, den wollten sie behalten! Ich bin überglücklich darüber, mit dem Klischee, dass ich mich nur zu doof anstelle, jetzt endlich einmal ordentlich aufräumen zu können! Es ist doch im Gegenteil sogar so, dass Frauen im Verhältnis zu Männern, mehr ranklotzen und mehr Geduld aufbringen müssen als diese. Und ich behaupte, sowohl „drastisch“ als auch „lustig“ in Einem zu sein, das kann auch nur eine Frau. Die Kollegen sind meistens wenig witzig und Selbstironie liegt ihnen überhaupt nicht.

Kränkungen und Demütigungen gehören anscheinend zum Alltag vieler ernsthafter Künstler, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Das Problem scheint mir zu sein, dass man es zu Lebzeiten nicht genau weiß, in welche Kaste man gehört.

An einer Hochschuleinrichtung studiert zu haben, stellt schon einmal keine Garantie dar, im späteren Berufsleben auch ernst genommen zu werden! Als ich mich in jungen Jahren voller Tatendrang darum bewarb, der Organisation der künstlerisch tätigen Frauen, der GEDOK, beizutreten, brauchte man mich dort nicht, trotz des Diploms an einer der renommiertesten Kunsthochschulen Deutschlands in meiner Tasche! Man wünschte mir stattdessen für meine weitere Zukunft „alles Gute“. Jetzt, so scheint es mir, würden sie die Simon in ihre Reihen aufnehmen wollen, warum auch immer. Die Generation der heute erfolgreichen Älteren war damals schon, knallhart. Aber nun will auch ich nicht mehr. Das ist die Ironie des Schicksals.

„Wie du mir, so ich dir“. Kann es sein, dass Sie mit den Jahren kritischer geworden sind und vielleicht auch einen gewissen Stolz entwickelt haben, der Sie davor bewahrt, sich bei anderen Menschen anzudienen?

Maren Simon, „Standbein, Spielbein“, Höhe: 42 cm, 2018

Man selbst spürt doch sehr genau auf welchem Platz man steht und man weiß auch selbst sehr gut, ob man wo dazu gehört oder besser nicht. Ständige Unterforderung und Ablehnung wirken prägend, das ist richtig. In Vereinen, Institutionen oder Organisationen entwickelt sich ja auch so etwas wie eine Rangordnung. Man darf dort nicht erwarten „lieb“ gehabt zu werden! Wenn ich die Ellenbogen gegen andere einsetzen muss, nur um für meine Person eine Vorreiterposition zu erkämpfen, fände ich das einfach nur beschämend. Darum lehne ich Gemeinschaften, die mit einer „Hackordnung“ einhergehen, vehement ab. 

Man wird jetzt immer häufiger gefragt: „und, was macht das dann mit Dir?“ Diese Form des Alleinganges, ohne jeden Rückhalt, ohne Beistand und Unterstützer, erscheint mir doch recht ungewöhnlich und wenig erfolgversprechend.

Ja, was wird es wohl machen? Ich kann es nicht von der Hand weisen, in gewisser Weise darüber desillusioniert, abgestumpft und müde geworden zu sein! Für mich ergibt nur noch Sinn in Ruhe meiner Arbeit nachzugehen. Ich würde gern mehr Gießen lassen wollen, das erwähnte ich schon des Öfteren. Deshalb möchte ich es zur Bedingung werden lassen, dass von jedem Werk, welches angekauft wird, vorab ein Abguss erstellt wird. Denn diese Portraitplastiken und natürlich ebenso auch die kleinen Statuen, sind mein einziges Kapital! Und meine Altersvorsorge. Wer das Unikat besitzt hat den Joker. Die Bronzen sind jedoch ebenso eigenständig, doch können sie das Original natürlich nicht 1:1 ersetzen! Zwei Handvoll keramische Plastiken sind es meist pro Jahr die eben nicht, schnell wie am Fließband, entstehen. In den über 30 Jahren Berufstätigkeit hat sich zwar einiges angesammelt, doch davon will ich zehren können. Mir fehlen die Mittel, Abgüsse in Bronze, oder wenigstens die Abnahme einer Siliconform dafür, vorab vornehmen zu lassen. Darum an dieser Stelle der Hinweis, wenn jemand Geld zu verschenken hat, nur zu! … ich revangiere mich mit Kunst.

Es muss sich doch aber Jemand mit den entsprechenden Verbindungen finden lassen, der Ihre „Goldgrube“ zu schätzen weiß! Ich will das nicht glauben, dass es so derart schwer sein soll, eine Frau mit ihrem Potential auf Kurs zu bringen!

Doch das ist es. Weil ich natürlich notgedrungen immer schwieriger zu Händeln bin, je älter ich werde. Man lernt aus guten, vor allem aber, aus seinen schlechten Erfahrungen! Ich habe von Letzterem einfach zu viel.

Die Empfindlichkeit der Kuratoren und Galeristen und deren überlegen wirkende Reizbarkeit, die sie einen spüren lassen, wenn man mit dem Katalog in der Hand bei ihnen vorstellig wird, ließ mich jedoch anerkennen, wie schwer kuratorische Arbeit ist und dass es immer auch seine Zeit braucht, sämtliche Formen von Kunst angemessen einschätzen, sprich rezipieren zu können. In meinem Falle scheint es eben länger zu dauern, weil meine Statur und auch mein Auftreten mir im Wege stehen. Außerdem spreche ich die Sprache der Kulturlobby nicht, ich versteh manchmal tatsächlich nicht, was man eigentlich von mir will. Das in der Tat mitunter recht widersprüchliche Gebaren mancher Galeristen, bewirkt bei mir dann auch nicht den gewünschten „Biss“, sondern unerwünschte Zweifel. Irgendwann zählt aber nur noch das, was bleibt. Später ist es dann einfacher „Genial“ von „Dreist“ oder „Unterbemittelt“ zu unterscheiden. 

Um Sie umfangreich beurteilen zu können, müsste man sich erst entsprechend informieren, um auf Ihren (kurzbeinigen) Stand zu kommen!

Und man müsste sich konkret die Mühe machen, mich in meiner Werkstatt aufzusuchen. Am Ende wäre es mal was ganz Neues, wenn einer mich von sich zu überzeugen versuchte!

Heißt das, Sie machen die Türe ganz sachte hinter sich zu, obwohl Sie es jetzt richtig krachen lassen könnten?

Nein, aber ich bin ein in sich gekehrter, nie aufmüpfig auftretender Mensch und selbst, wenn die Türe sperrangelweit offen stünde, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, traute sich trotzdem niemand hindurch. Ich kann (muss) darum gut mit mir allein sein. Mitunter ist das die bessere Option! Nur, weil es so viele Leute gibt, die mit Freude im Rampenlicht stehen, muss das nicht auch für mich zwingend notwendig sein. Doch ärgert es mich schon, wenn, wie bei einer Vernissage geschehen, die Galeristin innerhalb ihrer Laudatio glücklich behauptet, den ausstellenden Künstler selbst „entdeckt“ zu haben! So etwas geschieht nur ganz selten und ich behaupte, diese Dame versuchte mit ihrer Ansage doch nur ihre eigene Person „wichtig“ in den Vordergrund zu schieben. Wenn der Maßstab bereits von anderen gesetzt wurde, den man nur zu übernehmen brauchte, dann ist das in meinen Augen keine echte Leistung mehr.

Wie Sie eingangs schon erwähnten, mag es mit dem Auftreten zusammenhängen, wenn es einer leichter hat, als die andere. Einen noch Unbekannten zu entdecken, hieße Mut beweisen. Gut bestellte und von „Unkraut“ befreite Felder sind leichter zu beackern als solche, mit vielen Steinen darin.

Wobei natürlich nie ganz auszuschließen ist, dass ein unterschätztes und missachtetes „Kräutlein“ trotzdem später überraschend zu einem genialen „Riesenknöterich“ heranwachsen kann! Eine Option, die auch ich für mich favorisiere, also, nicht unbedingt den „Knöterich“, aber vielleicht eine in die Höhe sich windende, wilde und aparte Klematis. Diese „Liane“ unter unseren heimischen Kletterpflanzen ist nämlich bei aller Anmut recht stark und gedeiht nur dort, wo sie sich auch wohl fühlt, nicht wie der dröge Hopfen, der überall anzutreffen ist und ebenfalls hoch hinaus will.

Sie können die Gärtnerin in Ihnen, kaum verbergen. Ihre letzte umfangreichere Personalausstellung fand 2012 in Ihrer Heimatstadt Potsdam statt. Das ist eine lange Zeitspanne innerhalb derer Sie, ohne jede Aussicht darauf gesehen zu werden und Geld zu verdienen, darben mussten. Nun erhalten Sie die nötige Aufmerksamkeit und gehen doch wieder rückwärts, wie stellen Sie sich ihre Zukunft als Künstlerin im „Schneckenhaus“ vor?

Wenn mir immer auch „Empfindlichkeit“ vorgeworfen wird, so muss ich dagegenhalten, dass es das allein nicht ist, nicht sein kann! Ich habe ein ziemlich dickes Fell, genau dort, wo es hingehört. Zurückgezogenheit schließt nicht aus, dabei immer auch zugewandt optimistisch tätig zu sein. Mich beschäftigt die buddhistische Lehre, der zufolge der interessierte Laie lernen sollte, loszulassen. Ich kann mich zum Beispiel von meinen Plastiken und auch den Bildern, schlecht trennen, habe also hier großen Handlungsbedarf. Eigentlich möchte ich sie alle ständig um mich haben, was schon allein vom Platze her, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Ihre Fürsorge ist verständlich, liebe Frau Simon. Nicht umsonst existiert dieser Vergleich zu „Kindern“, die einem ans Herz gewachsen sind, die man begleitet hat, all die Jahre über und sie hat aufwachsen sehen. Wenn sie aber in gute Hände gelangen hätten sie keinen Grund zu klammern.

Vielleicht ist es eine Form von Melancholie oder auch Traurigkeit, die mein Herz einschnürt. Es will mir nicht in den Kopf, wieso ich um ganz selbstverständliche Dinge kämpfen muss. Vermehrt freudige Ereignisse würden sicherlich eine Haltung, die von Vertrauen erfüllt ist, begünstigen. Fehlender Respekt wirkt jedoch kontraproduktiv. Der raue, oft überflüssiger Weise vorwurfsvolle Unterton, den wir untereinander führen, nervt. Ich möchte in privaten und in beruflichen Dingen, auch in nachbarschaftlichen Belangen, sanftmütig bleiben dürfen. Menschen setzen aber genau dann, wenn sie dies spüren, besonders gern ihren Stachel ein. Und die meisten von uns reagieren dann auch genauso, wie sie sollen. Ich tu das nicht und enttäusche dann zuverlässig und igele mich ein. Ich weiß nicht, was mir die Zukunft bringt. Ich bin realistisch denkender, pessimistisch unterfütterter und auf die Dinge die da kommen werden bauender, bei aller Freude nie in Jubel ausbrechender, Optimist.

Wir leiden zunehmend unter allgemeiner Grobheit untereinander, das haben auch soziale Studien festgestellt. Dreiviertel der Befragten stört dies aber und sie wünschten es sich anders! Vielleicht spüren diese Menschen, dass unsere Welt droht, den Bach runter zu gehen. Das lässt hoffen!

In Dänemark beispielsweise, scheint man allgemein betrachtet, glücklicher zu sein, das haben wir im Urlaub so erleben dürfen. Das dänische Zauberwort lautet, Entspannung! Seitdem man das herausgefunden hat, sind auch bei uns „higgelige“ Dinge total angesagt, endlich mal etwas, das nicht aus Amerika zu uns herüber geschwappt ist! „Glück“ oder die Fähigkeit zur Entspannung sind nicht käuflich zu erwerben – aber Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, so denke ich, sind zwei entscheidende Voraussetzungen dafür, die man hat oder nicht hat.

Sie stehen mitten drin in dieser Thematik. Sie scheinen jedoch unglaublich resilient zu sein, ich wundere mich, wieviel Unschönes Sie aushalten. Worüber ärgerten Sie sich zuletzt und worüber würden Sie sich gern einmal Luft machen? (Das Thema „Klimawandel“ einmal beiseite lassend …) 

„Luft“ machen sich in Werder doch gerade die Obstbauern! Da darf ich jetzt wenig Gehör erwarten, doch fühle ich mich gerade dort, schon seit Längerem ein wenig gemobbt.

Sie lachen schon wieder.

Das Wort „mobben“ ist einfach zu schön.

In Werder wird debattiert über das Baumblütenfest, dessen Tradition bewahrt werden soll! Einige Kritiker derer, die moderater an das Fest herangehen wollen, was ich begrüßen würde, haben angeblich „große Existenzängste“. Damit kenne ich mich aus! Darum finde ich diese Diskussion auch ein wenig übertrieben, denn es geht doch gar nicht um „Tradition“, das ist doch nur ein Vorwand! Als eine der regelmäßig Betroffenen, die ihre Türen schließen muss, wenn andere daran denken, „Kasse“ zu machen, habe ich natürlich nicht das allergrößte Verständnis für Krawall und Rummel in direkter Nachbarschaft. Aber die offenen Höfe und die Plantagen mit echten Blüten an den Bäumen; ihnen gehört meine aufrichtige Sympathie!

Gab es denn je eine wirkliche Einbeziehung der Anwohner, deren Argumente man respektierte? Oder ist es Ihrer Meinung nach nicht eher so, dass einige Wenige den Ton angeben und nun unzufrieden darüber sind, wenn auch sie einmal zurückstecken sollen?

So kann man das zusammenfassen, muss ich nichts mehr zu sagen. Es gab etliche Versuche eine weniger „dolle Blüte“ durchzusetzen, wobei sich damals manche Gegner des Festes genauso laut und unklug und viel zu „weit“ aus ihren „Fenstern“ lehnten, wie die Befürworter, die sie zu bekämpften suchten. Für mich ist es durchaus denkbar einen zukunftsfähigen Kompromiss zu finden. Einfach seine Phantasie benutzen! Und in die Rolle des jeweils anderen schlüpfen…

Cousin Klaus (Foto: Beate Michelsky-Schlapp)

Ich weiß nicht woran das liegt, aber der Wind weht an vielen Werderaner Ecken mitunter allzu zu heftig! Vor einem Grundstück einer jungen Familie beispielsweise, ist eine gemütlich, einladende Holzbank aufgestellt worden. Trotzdem „zieht“ es dort gewaltig! Mehrere Blumentöpfe mit mediterran anmutendem Grün ergänzen das Ambiente. Wer sich auf die Bank setzt genießt die Sonne, die darauf scheint und kann sich, wie in Italien so schön, auf ihr mit einem liebevoll restaurierten Mäuerchen im Hintergrund, fotografieren lassen. Zwar ist die Aussicht nicht die beste, denn es befindet sich ein geduldeter Parkplatz direkt vor dieser Örtlichkeit, dennoch ist genug Abstand da und wenn man Glück hat, ahnt man das Wasser der Föhse, man kann es riechen und durch die Autos hindurch, glitzern sehen. Himmeliges, strahlendes Blau gibt es gratis dazu.

Sitzt eine der vielen rotgetigerten Katzen auf dieser Bank, um eine Auszeit zu genießen, scheint sie Glück zu empfinden. Sitzen drei Jungen nach der Schule dort in der Sonne, um einen Schwatz zu halten oder auch Touristen, ist es derselbe, entspannte Eindruck, den sie auf mich machen. Wenn aber der bullige Mercedes SUV dort genau mit seiner Schnauze unbeeindruckt in Richtung Banke schaut, will natürlich keiner auf ihr verweilen, nicht einmal die Katz!

Vergeblich versuchte die junge Familie den Straßenraum vor ihrer Grundstücksmauer aufzuwerten und ihm ein freundliches Gesicht zu geben. Andere machen es vor, dort wachsen Gräser und Rosen und es liegen abgrenzende, dicke Steine auf „Strassenland“ ganz ungestört um die Baumscheiben der Linden herum. Das sieht einfach nur schön und freundlich aus und wertet den Lebensort, wo man zu Hause ist, auf. Die Zufahrten und Garagen an denen „bitte frei halten“ steht, bleiben dort selbstverständlich frei!

Nicht so weiter vorn. „Klein Italien“ auf der „Insel“zur Brücke hin gelegen, hat in Werder leider keine Chance. Und ich mit meinem „Schaufenster“ gleich daneben, auch nicht! Hier stelle ich regelmäßig eine neue Plastik auf einem Sockel stehend aus, aber niemand sieht’s. Vielleicht ist es extra so gewollt? Die gewaltigen Motorhauben der unterschiedlichsten Autos, deren Halter meinen, mir die „Schau“ stehlen zu müssen, versperren jedenfalls zuverlässig jede Sicht. Sogar mein großer, bepflanzter Blumentopf, der neben dieser Schaufenstertüre steht, ist bei einer solch unsensiblen Parkaktion angefahren worden und das Tongefäß brach.

In meinen Augen ist das, was da geschieht, „Grenzüberschreitung“ in kalkulierter Absicht! Stück für Stück ließ man die unsichtbare Linie verschwimmen, um dann einen Raum für sich zu beanspruchen, der demjenigen genau so wenig „zusteht“ wie dem anderen, dem man ihn streitig machen will. Denn er ist für alle da.

Mitten auf diesem Parkplatz überraschten im letzten Jahr jedoch blühende Blumen, die unter den kleinen, traurigen Lindenbäumchen von Jemandem angepflanzt worden sind. Ich beobachtete eine Anwohnerin, die ihren „kleinen Garten“ bewusst in Verschönerungsabsicht dort angelegt hatte und ihn täglich pflegte und ihre Blumen mit Wasser und Dünger versorgte, weshalb sie reihenweise Gießkannen schleppte, ohne dafür einen Auftrag erhalten zu haben. Es machte dieser Idealistin einfach nur Freude! Aber auch dieser freundlichen Frau war irgendwann die Lust vergangen. Manchmal standen die geparkten Autos sehr unsensibel direkt auf ihren empfindlichen, üppig blühenden Pflanzen. Wohl deshalb blieb sie in diesen Sommer auch untätig.

Kein gutes Image für eine Stadt, die sich „Blütenstadt“ nennt, möchte ich da anfügen.

Der Umstand etwas anzubieten, das unerwartet zum Genießen, sich Erfreuen oder zum Sitzen einlädt und das dort aber „nicht hingehört“, ruft bei einigen Leuten Reaktionen hervor, die nicht nur ich als respektlos empfinde. Kreativ Denkenden und tätig Werdenden übelst eins auszuwischen ist leider Normalität. Schöne Gedanken werden dadurch kaputt gemacht und stattdessen setzt untereinander geschürtes Hauen und Stechen ein. Die Ursache ist doch aber klar. Die Anwohner fühlen sich mit ihren Parkplatzproblemen allein gelassen. Ein nicht sauber durchdachtes Parkkonzept von Seiten der Stadt wird auf ihren Rücken ausgetragen. Darüber hinaus wird mehrfach im Jahr bei Veranstaltungen und Festen eine Kompromissbereitschaft erwartet, die besonders den Anwohnern der Insel, Umwege und Umstände abverlangen.

Der Frust bahnt sich immer den leichtesten Weg! Von „Alt“ zu „Jung“ (oder umgekehrt), von „Hart“ nach „Weich“, von „Alteingesessen“ zu „neu Dazugezogen“(oder umgekehrt) von „ordentlich Berufstätig“ hin zu „freiberuflich Faulenzend“ und von „gut Situiert“ zu „Unterbemittelt“, sprich arm. Und ich habe den Eindruck, es geht auch gegen jene, die nicht nur Mieter sind, sondern Eigentum besitzen und umgekehrt. Völlig absurd. Ich bin manchmal ganz froh, abends wieder nach Hause zu können.

Googelt man Ihren Namen im Internet und schaut auf die gelisteten Bilder, schieben sich andere Leute „trittbrettfahrend“ gern dazwischen. Das will zu Ihren Empfindungen so gar nicht passen, wie finden Sie das?

Amüsant! Darüber können wir uns ja bei Gelegenheit, gern ein anderes Mal unterhalten!

Jeder von uns hat eine moralische Verpflichtung, die einschließt, Andersgeartetes zu respektieren und Eigenarten und Bemühungen Gutes zu tun, zu achten. Die immer wieder zu hörende Devise, „Leben und leben lassen“, hört sich gut an, ist in meinen Augen aber mehr als aggressiv zu verstehen, denn sie bedeutet doch nichts weiter, als uninteressiert an seinem Gegenüber zu sein. Dann möchte einer gern sein eigenes Ding auf Kosten des anderen durchziehen! Wann, wie und wo und was er will. „Mir doch egal, was du davon hältst!“ Das ist die Botschaft dahinter. Meistens wird vorausgesetzt, dass der andere es nicht wagt, sich in derselben herablassenden Art und Weise, daneben zu benehmen. Wer sich nicht wehren will, ist selber schuld, wenn er sich zu viel gefallen lässt.

Originalhandschrift Rudolf Sauer

Das ist das Gemeine daran.

Humorlose neideten auch meinem Mann und mir vor etlichen Jahren, genau wie der jungen Familie heute, unser „Glück“, das wir beim Sitzen mit Glas in der Hand, dicht an der parkenden Menge ganz offensichtlich verströmten! Wir tranken nämlich unterm kraftstrotzenden Lindenbaum, ohne eine entsprechende „Sitzgenehmigung“ besessen zu haben, unser gemeinsames „Feierabendbier“. Auch unsere Bank musste weg, weil auf „Straßenland“ zwar wild geparkt, aber nur mit Genehmigung gesessen werden darf!

Ist das ein Witz, oder meinen Sie das ernst?

Nein, kein Witz. Haarspalterei. Wir sind damals von irgendwelchen „netten Nachbarn“ angeschwärzt worden. Betrachte ich vergleichend diese Vorgehensweise mit der heutigen, erscheint diese mir wie ein einziges Déjà-vu! Es wurde uns unschön etwas unterstellt, was zu anderer Leute Stil gepasst hätte, nicht aber zu unserem! Wir wollten da nur sitzen und sonst nichts.

Sie wollten kein Café für die Laufkundschaft eröffnen? Warum muss ich jetzt plötzlich an Loriot und seine Sketche denken, Frau Simon? Jetzt lachen Sie wieder, das ist schön.

Ich spüre sehr wohl, mich an einer strategisch ganz unwichtigen Stelle in der Stadt zu befinden, wo nie ein Reinigungsteam unterwegs ist. Und dennoch, so habe ich den Eindruck, neidet man mir das Schwarze unter den Fingernägeln! Über diesen Umstand sollte ich mich aber nicht ärgern, ich sollte mich freuen! Neid von Seiten anderer ist nicht zu unterschätzen, ist ein positiv zu bewertendes, Gefühl.

Abschließend könnte man also zusammenfassen: Sie gehören zu den glücklichen Menschen, die mit wenig zufrieden sind, selbst, wenn Sie rein Garnichts zu lachen haben, also unglücklich sein müssten. Sie lassen sich Ihren Humor nicht nehmen und finden immer etwas, worüber Sie sich freuen können. Sie sind streitbar aber nicht streitsüchtig und versuchen mit Vernunft im Gepäck, dennoch erhobenen Hauptes, Ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen.

Das ist korrekt, hätte ich nicht besser formulieren können!

Überall sind freundliche Begegnungen möglich! Ich behaupte, darum fällt es unserem Sohn, der gerade wieder beruflich im Regenwald des Amazonas tätig gewesen ist, auch recht leicht, sich in der weiten Welt zu orientieren. Er spürt, überall gleichermaßen zu Hause zu sein! „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“. Und ich möchte ergänzen; „gute“ Verbindungen, weil nur von diesen wir auch in schlechten Zeiten, zehren können.

Zitat von Wilhelm von Humboldt und Guy de Maupassant, die beide sinngemäß zu derselben Einsicht gelangten.

Jemandes Kreise zu stören, weil man es kann, fühlt sich vielleicht kurzzeitig „wichtig“ an, doch erscheint es mir viel angenehmer, souverän zuvorkommend eingestellt zu sein und sich nicht von seinen schlechten Emotionen und von schnödem „Bling Bling“ vereinnahmen und die Laune verderben zu lassen. Zu oft lässt Geschäftigkeit uns von einem Ort zum anderen jagen, vieles will erledigt sein, alles muss stimmen, dabei setzen wir uns auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen selbst unter Druck und orientieren uns an dem, was andere haben, um schließlich mit dem Erstbesten zufrieden zu sein. Dass dem so ist, merken wir aber immer erst, wenn es bereits zu spät ist.

Erinnern Sie sich noch, früher gab es doch diese, zugegeben, etwas kitschigen Poesiealben, kurz „Poesie“ genannt, die im Freundinnenkreis reihenweise herumgereicht wurden. Auch ich kritzelte damals meine sinnigen Sprüche, meist in Kombination mit kleiner Zeichnung, in diese „PÖsies“ der Freundinnen hinein. Einer der beliebtesten Sprüche von damals war dieser vom „Glück, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“!

Lassen Sie mich zum Schluss darum noch diese kleine Begebenheit erzählen, die wir am Zaun des Kindergartens auf der Werderaner Insel hatten. Drei geschäftige kleine Mädchen mit Langeweile sahen unser „Pünktchen“ und wollten sie unbedingt streicheln. Auch den Hund zog es zu den Kindern hin, die verstanden sich sofort. Es war einfach nur amüsant ihnen zuzuhören! Der Dialog der drei kleinen Damen mit unserer Hündin, die sie „süß“ und „niedlich“ fanden, war sehr witzig. Begeistert äußerten sie sich über die schnuppernde Hundenase und über Pünktchens eifriges Gehopse. Hundis neuer Doppelname, der zum bereits vorhandenen nun hinzugekommen ist, heißt: „Schnuppi – Pupsi“.

Kindergartenkinder kringeln sich bei dem Wort „Pups“, denn es wirkt ansteckend! Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Kinder dieses Alters sind interessiert, unverstellt, freundlich und aufmerksam und gewitzt! Von ihnen kann man lernen glückliche „Leichtigkeit“ zu leben. Schlechtgelaunten Erwachsenen, so mein Vorschlag, sollte man zum Zwecke eines „humorvolleren“ Umgangs miteinander, anlässlich eines „Pups-Praktikums“, eine längere Auszeit inmitten der gutgelaunten Kinder in deren Garten genehmigen.

Liebe Frau Simon, ich bedanke mich bei Ihnen für dieses offene Gespräch.

Tilda – Bisertha Grünemitten, am 23. September 2019

Die Ausstellung „Geerdet Aufstrebend“, Plastische Keramik Malerei und Zeichnung von Maren Simon ist vom 10. Oktober bis 24. November 2019, täglich von 13.00 bis 17.00 Uhr in der CCS Galerie in Suhl zu besuchen. Am Wochenende ist die Galerie von 11.00 bis 17.00 geöffnet.

Galerie im Atrium, Friedrich – König – Straße 7, D-98527 Suhl

 

POSTSKRIPT

Das Wichtigste steht bekanntlich immer am Schluss! Aus aktuellem Anlass muss ich heute schnell noch diese „Nachschrift“ ergänzend hinzufügen, damit ich die Person, die mich so derart erfreute, nicht übergehe und dadurch womöglich verletzend rüberkomme.

Ich dachte ja bisher, Türen sind dazu da, im Gegensatz zu Fenstern, durch sie hindurch gehen zu können. Deshalb baut man sie eigentlich auch ganz bewusst in ein Gebäude ein. Ich wurde aber heute nun eines Besseren belehrt und bedanke mich bei „Unbekannt“ herzlich für diese, meinen Horizont bereichernde, Erkenntnis des Tages.

VIELEN DANK FÜR IHREN BESUCH – möchte ich ausrufen! Was ist passiert?

Ein kleines, blaues Auto, dessen Fahrer anscheinend über besonders viel Kulturdefizit verfügt, versperrte mir den Zugang zu meiner Werkstattüre in einer besonders üblen Art und Weise, als ich nämlich einige von meinen Plastiken in meinen Wagen verladen wollte. Mit seiner Dreistigkeit übertraf dieser vor meiner Türe Parkende, alle bisherigen Leistungen dieser Art. Selbst die ganz Großen ließen dann doch wenigstens die Türklinke zum Anfassen derselben frei.

Diesem Kleinen war dies offensichtlich des Entgegenkommens zu viel, er ging darum aufs Ganze! Deshalb gehe ich davon aus, dass der Halter besonders geil darauf ist, von mir auch tatsächlich in seiner überheblichen Frechheit wahrgenommen zu werden. Ich tu ihm den Gefallen gern und setze sogar noch einen Bonus drauf, weil er sich so viel Mühe gab und sein kleines Auto so süß schaut!

Es darf jetzt in meinen Blog hinein!!! Ich habe zwar schon derart viele Bilder – die Liste ist lang, sodass der PC – Ordner bald überquillt, aber ich will nicht ungerecht sein und wäge darum genau ab, wer sich in meiner „Sonne“ aufhalten darf und wer nicht!

Ich bitte aber aus Datenschutzgründen jetzt alle Leser meines Blogeintrages, das Nummernschild des kleinen, blauen Schelms auf ihren Geräten, mit dickem Edding selbst zu schwärzen, da ich nicht weiß, wie das geht.

„… die Bank ist wenigstens frei…“

Vielen Dank.

Maren Simon am 29. September 13.45 Uhr

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