Heute ist der erste April, Grund genug für mich, mal wieder ein Textchen zu schreiben.

Die beigefügte Klebetasse ist ein Aprilscherz, denn so schön sie auch ist – sie stammt nicht von mir! Auch andere Kollegen – in diesem Falle die betagte Künstlerin Yoko Ono – betätigen sich damit, kaputte Dinge wieder zu reparieren. In der Nationalgalerie in Berlin gab es die Ausstellung dazu, im letzten Jahr zu sehen. Die Künstlerin klebte ihre Scherben aber nur halbherzig, weil zwar unsichtbar – jedoch mit Tesafilm – aneinander, um dann eine Schnur lose darum zu binden, die von Sorgfalt spricht. Die gebundene Schleife sieht zwar nett aus … dennoch bleibt eine kaputte Tasse bei Yoko Ono ein Unfallopfer ohne die Aussicht darauf, gesunden zu dürfen. Ihre Botschaft ist ähnlich der meinen: Bitte mehr Rücksicht.
Wir müssen wieder viel achtsamer im Umgang miteinander und mit Pflanzen und Tieren – aber auch mit den Dingen, werden.
Ostern steht vor der Tür. Mit dem kirchlichen Fest sind traditionell Gedanken an „Hasen und deren Eier“ verbunden, wobei der eigentliche Hintergrund, nämlich die Auferstehung Christi – weit weniger präsent zu sein scheint. Dabei ist eine von christlichen Werten geprägte, humanitäre Bildung, eigentlich heute viel wichtiger denn je. Ich werde oft eingeordnet als gehörte ich dazu. In gewisser Weise stimmt das ja auch, denn ich bin einst getauft worden, weil Mutters Mutter darauf bestand. Trotzdem fand ich nie den Anschluss.
Ich bin sogar in einen kirchlichen Kindergarten in Babelsberg geschickt worden, der befand sich damals in der Wichgrafstraße und vielleicht gibt es ihn heute noch. Die ungewöhnliche Maßnahme ist notwendig geworden, obwohl die Eltern (beide Lehrer) keine Kirchgänger gewesen sind, weil sie keinen staatlich organisierten Betreuungsplatz für ihre Tochter fanden. In meiner Erinnerung war es nicht immer einfach für mich, denn die lieben „Tanten“ ließen mich spüren, dass ich anders war. So zeigten sie beispielsweise wenig Erbarmen, wenn es ums Essen ging. Ich erinnere mich genau. Ich war in diesem Punkt ein eher mäkliges Kind und mochte Fettes überhaupt nicht und somit blieb ich viel zu dünn und musste darum zur Strafe vor meinem Teller ewig lange sitzen bleiben – während die anderen Kinder spielten, oder durch ein Loch im Zaun des angrenzenden Friedhofs schauten, um den kräftigen Arbeitspferden der Friedhofsgärtnerei, beim Äppeln zuzusehen.
Ich liebte es am Klettergerüst zu turnen und „Schweinebaumelei“ zu betreiben, also kopfüber zu hängen. Entsprechend sauer war ich, dass ich es nicht durfte.

Ich musste mich einerseits in der sehr eigenen, kirchlich geprägten Welt des Kindergartens, vormittags bis zum frühen Nachmittag, mit religiöser Strenge und Moral und düsteren Geschichten um Jesus Christus und den für mich fremden Ritualen, zurechtfinden. Andererseits endete im fortschrittlich konservativen Lehrerhaushalt diese Welt nachmittags dann zwangsläufig ab ca. 16:00 Uhr. Mein ganzes Leben hindurch sollte ich irgendwie gespalten bleiben … denn wo andere eine klare Linie fahren und Zugehörigkeit ihr Eigen nennen dürfen, da schob sich bei mir der Zweifel bereits im frühen Kindesalter immer wieder Fragen aufwerfend, dazwischen. Wer bin ich und wo gehöre ich hin?
Das erklärt vielleicht meine gelebte Vorsicht auch heute noch.
Trotzdem habe ich schon noch eine gewisse Beziehung zur Kirche, keine Frage. Doch ist und bleibt diese Beziehung leicht angespannt. Dabei fand eine der ersten und schönsten Kunst-Präsentationen meinerseits, damals in einer Kirche statt (!) … in der Sternkirche Potsdam. Dr. Arno Neumann berichtete in seiner Eigenschaft als Kulturjournalist sehr warmherzig und engagiert darüber, offenbar so überzeugend, dass er damit meine ersten Neider auf den Plan rief.
Nicht, dass geredet wurde enttäuschte mich.
Ich fragte mich eher, wer hatte mich denunziert? Und das nicht nur in diesem Fall, denn es passierte mir im Verlauf meines Lebens immer wieder. Nein, das Schlimme ist, dass es für manche unter uns so leicht erscheint, die Wege anderer Menschen ganz einfach zu durchkreuzen. So ein Kreuz aber auch! Menschen, die ‚anders‘ sind, nirgends reinpassen wollen, oder für jemanden Konkurrenz bedeuten, sind meist allein. Immer und überall. Das macht es so einfach. Ich hatte mancherlei grenzwertige Erfahrungen auch während des Studiums machen müssen, insofern war das kein großes Thema für mich gewesen … aber es enttäuschte mich doch sehr, dass ausgerechnet die auf Nächstenliebe achtenden Christen in diesem Punkte, sich nicht viel anders verhielten, als der große Rest.

Mir sind von daher Zweifel geblieben, ob es womöglich allein an mir liegen könnte.
Schon die kleine Maren musste es also aushalten, sich nie ganz sicher zu sein ob das, was sie fühlte, auch stimmte. Sich angenommen zu fühlen, um dazu zu gehören, das hat zuerst einmal mit einem selbst zu tun, lernte ich später. Ich fand letztendlich meinen Halt in der Natur, Tiere und Pflanzen reden mit mir und ich rede mit ihnen. Der Garten, den ich als meinen Garten EDEN bezeichne, ist dabei die beste Inspirationsquelle überhaupt. Heute, am Karfreitag, besuchte uns beispielsweise ein wunderschöner Fasanenhahn. Sein Rufen hörte ich bereits des Öfteren und zwar gleich früh morgens, beim Aufwachen und wunderte mich über diese sonderbaren Töne, die seit mehreren Tagen in Folge, von ganz nah kamen. Was für ein schönes Kompliment der uns macht! Unser kleiner Garten, ach … und mittendrin ein so großer, stattlicher, buntgefiederter Vogel!
Die Natur lehrte mich, in allem auch das Gute zu sehen und im Denken positiv zu bleiben. Also, nie nur diese eine, als ‚wichtig‘ sich hervortuende Seite von etwas anzuerkennen, sondern immer auch die versteckt vorhandene Rückseite bei meiner Beurteilung mit zu bedenken. Ich weiß, dass jeder Vorteil genauso seinen Nachteil hat und umgekehrt. Diese Sichtweise ermöglicht mir heute nun, einen viel befreiteren Gang durchs Leben, freier und selbstverständlicher, als ihn manch andere Leute haben, die in Abhängigkeiten feststeckend, sich kontrolliert fühlen, durch wen auch immer. Der Nachteil ist, ohne selbstlose Unterstützung anderer, auf sich allein zurückgeworfen zu sein.
In der freien Natur kämpft auch jeder, mehr oder weniger, für sich allein. Und auch das muss man aushalten können.
Selbstloses Handeln ist nicht die Regel, sondern die nur ganz selten vorkommende Ausnahme. Sparten- und parteienübergreifend, überall. Wer das Glück hat auf einen solchen Menschen in jungen Jahren zu treffen, hat das große Los gezogen. Mir blieb es jedoch leider – im Großen und Ganzen, trotz kleiner Ausnahmen, verwehrt. Außerdem kam mir der Zusammenbruch des Staates DDR dazwischen, indem ich gerade erst begann, mich halbwegs zurechtzufinden, während das sich neu ausdehnende BRD-Schweine-System, mich kein bißchen nett behandeln wollte, weil es mich nicht brauchte.
Denn: ohne entsprechenden Nutzen auch kein Aufwand!
Auch das Private litt darunter, denn jetzt war der Konkurrenzkampf endlich in den Familien angekommen. Derart geprägt, versuche ich seitdem immer wieder sämtlich auftretende, gute wie schlechte Emotionen, die meine Persönlichkeit begleiten, in Kunstwerke zu transformieren, um letztendlich etwas Positives daraus entstehen zu lassen; anfangs noch in Bildern, später dann zunehmend in dreidimensionaler Form. Ich hatte es schon des Öfteren erwähnt: Scherben erweisen sich im letzten Lebens-Drittel als das geeignetste Mittel, mir dabei zu helfen, mich auszudrücken und dabei zugleich meine inneren Dämonen zu besiegen.

Seit Monaten schon sitze ich in meiner nun deutlich kleineren Werkstatt und angesichts dieser vielen Glasscherben, die mich umgeben, denke ich also an KIRCHENFENSTER, die ich zu gern einmal gestalten würde. Denn die Thematik, die ich bearbeite, die LIEBE, passt in diese böse Zeit, wo davon großer Mangel herrscht, nur allzu gut hinein. Wir leiden unter dem Verlust und dennoch, zu Vielen ist zu vieles egal. Weil sie – wie sie sagen – nicht anders könnten. Zu politischen Themen äußere ich mich heute nicht, obwohl ich mit den letzten Zeilen den Rahmen dafür gesetzt habe, aber mein Standpunkt ist klar; ich erachte Krieg in welcher Form auch immer, als die dümmste und verachtenswerteste aller Maßnahmen, um die menschengemachten Probleme dieser Welt, dadurch „lösen“ zu wollen. Ich möchte heute lediglich mittels meiner künstlerischen Befähigung dazu beitragen, ein Zeichen zu setzen – möchte zum Nachdenken anregen über Werte und Werteverlust. Jetzt, da sich meine Arbeit in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, gewinnt meine Botschaft eventuell auch über die Werkstatt hinaus, an Kraft, was irgendwie ganz gut zur Osterzeit passen könnte, denke ich mir und schalte nachher diesen BLOG frei.
Denn ich lasse gerade meine beiden Protagonisten aus vielerlei bunten, gläsernen Scherben, die in der Welt herumgelegen haben bis ich sie gefunden und eingesammelt habe, auferstehen.
Die schönsten Glasscherben liegen versteckt im Waldboden und befinden sich unter einer mehr oder weniger dicken Schicht Humus. Es handelt sich in den meisten Fällen um alte Einweckgläser, Wein- Brause- Selters- oder Schnapsflaschen. Die meisten sind kaputt. Und weil das besonders dickwandige Glas einiger Sorten von so schöner, dezent olivgrüner Farbe ist, erhält es einen eigenen Namen: WALDGLAS. Es erinnert an Moose und Flechten, ist nie ganz glatt, hat Einschlüsse, Blasen und Dellen … und es lässt sich besonders gut verarbeiten. In Kombination mit dem, was heute Verwendung findet und eigentlich im Altglascontainer landen würde, sind daraus nun meine beiden Glas-Collagen entstanden:
HE & ME.

Diesen beiden Unfertigen ist jetzt schon anzusehen, dass sie u. a. aus Lust an der Transparenz und des farbigen Spiels, welches das einfallende Licht mit ihnen treibt, entstanden sind. Auch wir Menschen bestehen ja aus vielen kleinen Bausteinen, die unserem Leben seine Richtung geben und auch wir leuchten von innen heraus. Manche mehr, andere weniger, immer entsprechend der Facetten, die einer besitzt, denn diese machen unseren Charakter aus. Das Thema „LIEBE“ in Glasbauweise zu bearbeiten, ergab sich für mich in mehreren Schritten, die der eigentlichen Arbeit vorausgegangen sind. Dabei bin ich dann mit den unterschiedlichsten Sorten von Scherben experimentierend, an mir gewachsen. Bevor ich mich daran wagte, Portraits aus Glas zu bauen, sind zuerst verschiedene Windlichter zu Versuchszwecken entstanden, kleine und größere – und erst später puzzelte ich dann einen Lampenschirm zusammen, mit Gesicht und mit einer leuchtfähigen Glühbirne im Inneren.
So bin ich dann immer mutiger geworden.
Schließlich dachte ich sogar daran, einen kleinen Beitrag zu dieser Arbeit auf Instagram zu platzieren. Denn dort probierte ich mich eine Zeitlang aus. Das Video über diese Lampe, ist ziemlich witzig geworden. Ich habe sie in der alten Werkstatt in Werder noch in aller Eile fertigstellen müssen, bevor ich dort auszog, wirke in dem Filmchen aber dennoch optimistisch – trotzdem ich recht angeschlagen war. Der Schlusssatz lautete deshalb auch wie folgt:
EINE WELT IN SCHERBEN, SIE LEUCHTET ABER TROTZDEM!

Wenig später verließ ich die Insta-Plattform. Der allererste Impuls, um mit Glas stärker noch zu punkten, der kam jedoch von unserem Sohn, als ich die drei papiernen Blätter zum IKARUS malte und er sie zum ersten Male sah. Carsten sagte: „Diese Bilder muten in ihrer Farbigkeit an wie Entwürfe für lichtdurchflutete Kirchenfenster“. So Sachen haut er (als das Künstlerkind, das er ist) mitunter einfach mal so raus … und die bleiben dann bei mir im Hinterstübchen haften. Und ich dachte: „Ja das würde ich tatsächlich zu gern mal machen! Kirchenfenster gestalten … das würde mir gefallen!“ … aber sofort kam mir der Gedanke, dass es gerade auch aktuell betrachtet, meinen männlichen Kollegen vorbehalten ist, dies tun zu dürfen. Obwohl ich meine Kindergarten-Grundausbildung in Sachen ‚Kirche und Religion‘ mit Bravour so früh schon hinter mich brachte, bin ich dafür – mein Wissen und meine Erfahrungen an Fenstern zum Einsatz bringen zu dürfen -, leider NICHT prädestiniert. Als kurze bockige FRAU; die ich nun einmal bin und bleiben werde, habe ich da keine Chance.
Ich habe mal Google gefragt und bekam einige interessante Treffer aufgelistet, alles Männer. Marc Chagall, St. Stephan, Mainz / Markus Lüpertz, St. Andreas, Köln / Sigmar Polke, Grossmünster, Zürich / Gerhard Richter, Kölner Dom / Neo Rauch und Thomas Kuzio, Naumburger Dom / Günter Grohs, Dom von Halberstadt / David Schnell, Thomaskirche Leipzig / Michael Triegel, St. Johanniskirche Plauen.
Markus Lüpertz stellte inzwischen Entwürfe für ein zweites Projekt dieser Art vor, er gestaltete diese für die Dorfkirche in Gütz bei Halle. Und schließlich sollen die wunderbar expressiv, exzentrisch gestalteten Fenster für die Johanniskirche in Magdeburg beispielsweise, die vornehmlich in rot, gelb und schwarz gehalten sind, nicht unerwähnt bleiben! Max Uhlig – (*1937) ein Dresdner Künstler, verarbeitete für die 14 gotischen Fenster mehr als 350 Quadratmeter handbemaltes Glas, wofür er neun lange Jahre (entstanden ab 2009) benötigte.
Sein zentrales Motiv ist der knorrige Weinstock, den er in fetzigen, sich kreuzenden einfach nur schwarzen Strichen, die den Zeichner und Grafiker Uhlig charakterisieren, angelegt hat. Diese abstrakte, kalligraphisch anmutende Umsetzung wirkt bei aller Düsternis, frisch und sehr modern. Und zeitlos. Heftig bewegte Farbigkeit findet der Besucher hingegen auf der südlich gelegenen Kirchenschiffseite, wo eine glühende Landschaft mit Weinstöcken, verteilt auf sechs Fenster, zu sehen ist. Um zu verstehen, woher also diese eigenwillige Farbigkeit kommt, lohnt es, sich über die Hintergründe genauer noch zu informieren.

Lediglich eine Frau hat Google dann doch noch für mich gefunden. Die Malerin Xenia Hausner. Sie schuf drei ca. ein Meter hohe Rundbogenfenster in realistisch anmutender Malweise für die Dorfkirche von Gehrden, die ein leuchtendes Triptychon bilden.
Als ich im letzten Jahr in Berlin unterwegs war, schaute ich bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei. Dieses intensive Blau, dass diesen Ort der Stille dominiert, ist derart schön, ich muss sagen, Blau in Kirchenräumen mag ich am Liebsten. Blau/Violett mit Grüntönen in Kombination … und ein wenig von einer dritten Farbe. In diesem Falle ist es ein wärmendes Orangerot, das reicht völlig aus. Prima DREIKLANG! Jetzt erfahre ich, dass dieses schöne Blau – das für den FRIEDEN steht, durch Rost gefährdet ist. Sechzig Jahre lang haben die einzelnen Quadrate, in denen die farbigen Elemente aus Dickglas, die mit Beton vergossen und zusammengefügt sind, gehalten, ein Verfahren, dass „dalles de verre“ genannt wird. Jetzt macht der Armierungsdraht Probleme. Der Link der Stiftung und die Kontaktdaten zum Spendenaufruf für die Restauration, befinden sich unter diesem, meinem Beitrag. Wie bereits angedeutet, steht das BLAU für den Frieden und die Farbspuren darin, für die FREUDE – so jedenfalls ist es im Internet nachzulesen. Der Architekt Egon Eiermann, der in Babelsberg ein Anwesen besaß und dessen Name mir deshalb seit Kindertagen vertraut ist, fand gemeinsam mit dem französischen Glasgestalter Gabriel Loire, zu dieser sensiblen Intension (beim Neubau des Bauensembles 1959-1963), die gerade in unserer Zeit wieder hochaktuell ist.
Ich komme bei meinen kleinen, dreidimensionalen Objekten, allerdings ohne Draht aus.
Der Aufbau ist langwierig und mühsam, es wackelt, ehe alles sich verbindet und ich brauche deshalb enorm viel Geduld. Trotzdem kann ich nicht davon lassen. Die Scherbenstücke halten sich gut aneinander fest, verzahnen sich sozusagen ein bißchen und dann steht die Arbeit irgendwann. Anders als die „echten“ Glasgestalter, die mit vorab gemachten Entwürfen hantieren, weil sie das müssen und es von ihnen erwartet wird, darf ich mir die Freiheit erlauben, darauf zu verzichten. Ich liebe es unberechenbar, großzügig und impulsiv – ohne übermäßige Kontrolle zu sein. Mir reicht eine kleine Ideenskizze. Und so liegt meiner Arbeit nur ein grober Plan zugrunde an dem entlang, ich mich Stück für Stück geduldig hangele und dessen spontane Realisierung und nicht zuletzt auch die Wirkung (meist besser noch als gedacht), die Künstlerin erfreuen.

Und beglücken!
Bei und vor allem gegen das Licht besehen, wirken sie ganz leicht und somit ganz anders, als wenn sie graubunt mitten im Raume, als skulpturale Objekte stehen, die sie ja genau genommen, sind. Ich habe da allerhand ausprobiert, um das Licht regelrecht einzufangen und zu lenken, sodass es weniger dunkelt und mehr hellt. Das Wort LEICHTIGKEIT liebe ich indes nicht besonders, es kommt immer zu gern dann zum Einsatz, wenn eine gehaltlose Oberfläche ohne jede Tiefe, uns als supertoll verkauft werden soll … aber in diesem Zusammenhang hier, also mit meiner zarten und durchsichtigen Liebesgeschichte, da ist es, glaube ich, schon angebracht es auch zu benutzen. Weil tatsächliche Leichtigkeit vorhanden ist, die so etwas wie ‚Inhalt‘ – locker über der großen Form schwebend – nicht scheut.
Tiefe versus Oberfläche … nebenstehendes Detail zeigt, dass diese Oberflächen in meinen Werken sehr unregelmäßigen Charakter haben. Ich stelle hier Dinge zueinander in Beziehung, die sich nur teilweise in ihren früheren Leben (eventuell) schon einmal begegnet sein könnten, und verweise auf das Zeitgeschehen: wo mehr Rücksicht angebracht wäre und mehr Vielfalt, mehr gegenseitiger Austausch und vor allem, gegenseitige Nächstenliebe.
Menschen, die im Internet präsent sind, können jetzt (dank Elon Musk) per Computer nackt ausgezogen werden, ohne dafür vorab gefragt worden zu sein. Der versierte Fachmann, meistens sind es wohl eher Männer und weniger die Frauen, kann diese Fakes auch sehr schnell in einem völlig fremden Kontext neu platzieren. So hat dann prompt ein lustiger Scherzbold den Elon selbst beinahe nackt im Bett liegend (mit Brüsten und Büstenhalter!) ins Netz gestellt, was mich sehr amüsierte. Trotzdem bereitet mir diese Entwicklung Sorge. Und auch die Tatsache, dass sich prominente, bereits ältere Frauen, aktuell ihre neuen und ‚besseren‘ Männer mittels KI selber basteln, um sich dann auf Fotos neben ihnen posierend, ins Netz zu stellen, finde ich merkwürdig. Was als Witz gedacht ist, offenbart eine gewisse Sehnsucht. Am Ende sieht das dann aus wie echt. Der fehlende „starke Mann“ scheint ganz offensichtlich ein bedeutendes Thema unserer Zeit zu sein!
Vielleicht, weil es uns, Männern wie Frauen, zu gut geht.

Es ist also kein Wunder, wenn ungewohnte Materialien und Sichtweisen meine Arbeit begleiten. Ich liebe die Herausforderung und mag Sprünge und Brüche. Meine Scherben sind ja von Natur aus so unregelmäßig und nicht jede glänzt, aber jede hat ihre eigene Story, die sie erzählen will. Wie die Menschen. Je expressiver umso besser! Und das vom Realismus befreite, Abstrakte, unserem Zeitgeist Entsprechende, es kann gerade in einer historisch möblierten Kirche, von besonderer Faszination sein! Die Vielfalt macht es so interessant. Wenn immer mehr alte Fenster neu gestaltet werden von Menschen, die etwas davon verstehen, dann kann das nur gut und richtig sein. Jeder macht es auf seine Weise.
Ich finde, auch der Uhlig hatte diesbezüglich echt Glück, dass ihm so viel Freiheit von der Stadt Magdeburg geschenkt bzw. zugestanden worden ist, er selbst bleiben zu dürfen und sich ordentlich auszutoben. Man spürt seine Leidenschaft sehr genau und mich freut das einfach, weil ich weiß, wie gut er sich gefühlt haben muss bei der Arbeit. Kunstschaffende Menschen brauchen entsprechendes Vertrauen in die Qualität dessen, was sie ihre Arbeit nennen, sie benötigen genügend Raum zur Entfaltung und nichts ist so schlimm und demütigend, als vor dem Auftraggeber kriechen zu müssen, der meint, weil’s bezahlt wird, muss gemacht werden was er oder sie haben will. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ … ein toller Spruch, ich habe ihn mir behalten, weiß nur nicht mehr, wo ich ihn einst fand;-)
Was einem Manne selbstverständlich zugetraut wird, das streitet man einer Frau immer noch zu gern ab. Schon aus Prinzip! Und auch die erfolgreichen Power-Frauen selber, hacken (wie oben beschrieben) untereinander der anderen, womöglich beargwöhnten und vermeintlich Erfolgreicheren, zu gern ein Auge aus oder ein Bein ab. Oder sogar beides … alles der Anerkennung wegen, die das ansonsten schnöde Leben, so angenehm macht! Und von daher bleibt mir nichts weiter übrig, als mich dem zu beugen und dennoch mein eigen Ding in Sachen Scherben und deren Auferstehung zu Höherem, im soliden Kleinformat möchte ich sagen, zu betreiben.

Kleindarsteller (nicht zu verwechseln mit Kleinbleiber!) ist ja mein zweiter Vorname. Um meine Sachen noch selbst und ohne fremde Hilfe Dritter, heben und bewegen zu können, halte ich mich an Größen und Gewichte, die meiner Statur entsprechen. Natürlich ist mein Bemühen nicht vergleichbar mit der Ausgestaltung eines ganzen Kirchenschiffes. Dafür arbeite ich jedoch in 3-D!! Und die aufgeräumte, prallvolle Müllhalde, auf der ich fündig würde und die zu meinen Ansprüchen passt, um eine ganze Kirche mit dem Material meiner Wahl zu bestücken, die müsste schließlich auch erst noch erfunden werden. Ansonsten dauert es einfach zu lange …
Aber zutrauen würde ich’s mir schon!
Beitrag von Maren Simon verfasst am 1. April 2026 – und kein Aprilscherz.
Dem BLAUEN GLAS der Gedächtniskirche helfen unter:


