Der Bleikristall am Fenster macht es möglich: Regenbogen im Zimmer ganz ohne Regen!
Einfach wunderbar, diese herrliche Farbenpracht.
Wir begehen heute den letzten Tag im alten Jahr und ich bin nicht böse darüber, dass mit dessen Abgang ein Neuanfang ansteht. Es gibt natürlich auch Gutes zu vermelden, doch das weniger Gute bekam definitiv mehr Raum, sich zu entfalten, eingeräumt! Gleich im ersten Quartal erhielt ich eine Kündigung (was meine Werkstatträume betraf) und ich bekam deshalb ein halbes Jahr Zeit (leider nicht verhandelbar, wie im Kündigungsschreiben stand), um meine Zelte auf der werderaner Insel abzubrechen. Immerhin war es mir somit aber möglich, noch das Wichtigste abzuarbeiten und nebenbei ganz sachte, all mein Hab und Gut auslagern zu können. Im Endeffekt war es trotzdem eine ziemliche Tortour gewesen, meine Siebensachen zu sortieren, etliches davon wegwerfen und auch noch neue Räume zum Arbeiten finden zu müssen! Doch irgendwann, so tröstete ich mich, hätte es ja so oder so sein müssen! Doch ich gebe offen zu wie gern ich mein zwanzigjähriges Jubiläum noch im nächsten Jahr begangen hätte … und vielleicht sogar noch ein paar Jährchen darüber hinaus hätte bleiben wollen. So lange eben, wie der Ofen mitmachen würde und die eigene Energie reicht, das hätte ich mir gewünscht, wenn man mich gefragt hätte … wollte man aber nicht … und deshalb findet das Finale nun woanders statt.
Denn ich habe mich zwar ein wenig verkleinert bin dafür allerdings jetzt ordentlicher aufgestellt als je zuvor, sogar mit wollenem Teppich.

Ich brenne meine Sachen nun zu Hause im eigenen Keller und mittels neu angeschafften E-Ofens. Der alte Elektroofen hatte seinen Zenit bereits überschritten als ich ihn bekommen habe, er benahm sich wie eine Diva und musste mit „Sie“ angesprochen werden. Er fraß (mit viel Zureden) bei mir sein Gnadenbrot. Im Ganzen bekam ich ihn beim Auszug nicht durch die Türe, deshalb musste er sowieso (von meinem lieben Mann) auseinander gebaut werden, was die Entscheidung erleichterte, ihn somit dann gleich ganz auszumustern. Mein Neuer ist etwas schmaler in der Breite, ist also eine Sonderanfertigung! Er muss sich im Keller mit der Kühltruhe und der Wärmepumpen-Anlage, sowie mit der Waschmaschine arrangieren. Dafür hat er Rollen unter seinen Beinen, mit denen ich ihn locker in den Flur buxieren kann. Da steht er und darf in aller Ruhe seiner hitzigen Arbeit nachgehen, um im Anschluss dann, zwischen die Regale mit den Weinvorräten, der Schokolade und den Einweckgläsern, zurückgerollt zu werden. Was witzig aussieht.
Mir war natürlich von vornherein klar, dass ich mich würde umstellen müssen.
Allein die Suche nach geeigneten Räumen gestaltete sich jedoch ausgesprochen interessant und hätte ich dann nicht doch recht schnell meine jetzige Bleibe gefunden, so wäre ich vielleicht mit meiner Werkstatt in einen einzigen, großen Raum gezogen – direkt neben eine Einrichtung mit Wett- und Spielbetrieb am Abend. Das große Schaufenster dieser merkwürdig gestalteten Räumlichkeit mit den hohen Wänden, in der einst Autos angeboten bzw. repariert wurden, bot leider einfach keine Möglichkeit zum ausgiebigen Lüften. Auch im hinteren Teil gab es kein Fenster. Das war das Problem. Nicht aber die Spielothek an sich. Damit hätte ich mich sicherlich arrangiert … und wer weiß, was für tolle Chancen sich mir eröffnet hätten (!) um beispielsweise einen Haufen spielbegeisterte Menschen spielendleicht für die Kunst zu gewinnen, mittels der Nachtschwärmer und Spielernaturen, von nebenan. Trotzdem; ich brauche nun einmal ordentlich Luft zum atmen und im Sommer statt Hitzestau, eine leichte Brise frischen Windes.
Seit Ende September werkele ich in den neuen und sehr gut mit Fenstern zu beiden Seiten ausgestatteten Räumen – wieder sind es zwei! Ich habe also wieder zwei Arbeitsplätze zur Verfügung und brauchte meine beiden coolen – in der Höhe verstellbaren Arbeitstische, nicht auszurangieren. So ist es mir möglich immer wieder zwischen den Themenbereichen, die ich gleichzeitig bearbeite, zu wechseln. Und auch mein Blick nach draußen ist hier ein besonderer, er ist viel schöner als der Blick auf die viel befahrene Straße (neben dem Casino) es gewesen wäre, ich kann deshalb meine ländlich-idyllische Aussicht nur als ausgesprochen inspirierend bezeichnen! Hübsche, buntgefiederte „Mädels“, laufen innerhalb eines Gartens dort in Gruppen herum. Sie schauen interessiert, sobald bei mir das Licht angeht. Und auch die zwei, drei Kerle, die als „Aufpasser“ und „Lover“ zu den Mädels dazu gehören, gucken genau hin, wenn ich meine Räume betrete, denn sie haben sehr gute Augen. Nichts entgeht ihrem Blick. Sie sehen mich am Fenster zwischen meinen Blumentöpfen (mit lecker GRÜN darin) stehen, während sie erhaben unterm großen Nussbaum herumlaufen und nach Würmchen und anderem Krabbelgetier Ausschau halten. Ihnen allen beim fleißigen Scharren zuzusehen, wirkt äußerst beruhigend auf mich. Dieses weiche Gefieder an ihren kleinen, puscheligen Hintern und ihre geschäftige Art des Umgangs miteinander, amüsieren mich einfach sehr.
Während ich diesen Text aufschreibe, mangelt es mir allerdings an Entspannung, denn es knallt draußen und der Hund hyperventiliert.
Ob die Hühner das in ihrem Stall auch hören werden? Unsere Hündin jedenfalls glaubt, wir befänden uns im Krieg. Sie zittert seit halb vier am Nachmittag als wir die letzte Gassi-Runde am Feldrand drehten. Stunden später nun im Garten pieseln? … nicht machbar … unser Hund versteht das alles einfach nicht und unterdrückt seinen Harndrang womöglich bis weit nach Mitternacht, so unsere Erfahrung aus den letzten Jahren. Sie kann erschnuppern, wenn die Knallerei vorbei ist … erst dann traut sie sich wieder nach draußen. Stichwort: FEINSTAUB!
Ich verstehe es ja auch nicht, wie soll dann erst ein kleiner Hund all das – WOZUDASGANZE? – begreifen? Menschen, die anscheinend das ganze Jahr über nicht viel zu sagen gehabt hatten, machen sich jetzt Luft. Jetzt endlich kann der Druck abgelassen werden, der in ihnen steckt und sie belastet. Manche Leute tanzen und feiern ausgelassen, um dem etwas entgegen zu setzen, andere essen ausgiebig zumeist mit der Familie oder Freunden – was niemanden stört. Solche Menschen brauchen in der Regel keine Krachmacherei, die wissen wer sie sind. Diese blöde und in meinen Augen total sinnbefreite Böllerei aber, die soll sagen: hört her! Nur dumm, dass diese Kraftmeierei inzwischen einfach zu viel und von daher von immer mehr Knaller-Freunden absolut übertrieben wird. Und weil sich die Knaller-Verkäufer daran gewöhnt haben, mit den vielen Nichtgehörten und Wütenden dieser Welt ordentlich Umsatz zu machen und das auf steigendem Niveau, wollen sie auf ein „Wachstum“ (auch innerhalb ihrer Branche) nicht mehr verzichten. Es ist immer das liebe Geld an dem alles hängt … sagte schon Herr Goethe. Wer hört denn heute aber noch auf Goethe?
Geben sie ihrem Hund doch Eierlikör! … oder fahren sie ihn dorthin, wo nicht geknallt wird, das jedenfalls empfehlen die wahren Experten.
All das haben wir jedoch bereits in den vergangenen Jahren schon mehr oder weniger erfolgreich, ausprobiert. Amira zu sedieren, das kommt für uns nicht infrage. Erstaunlicher Weise scheint meine Tipperei am PC sie jedoch ein klein wenig zu beruhigen. Unsere Hündin liegt im Körbchen eingerollt neben mir und schaut ab und an fragend zu mir auf, während die lauten Geräusche über uns, nicht aufhören wollen. Wir sehen darin, dass unser Hundi sich immer wieder fängt, einen Fortschritt, denn wir haben es schon viel schlimmer erleben müssen mit ihr, da wussten wir uns bald keinen Rat mehr und hatten Sorge, dass sie den Abend nicht überlebt und kollabiert. Alles probierten wir aus, auch Pillen in Schachteln und Pasten in Tuben … nur in der Aufenthaltshalle eines Flughafens sind wir noch nie mit dem Hund gewesen, um da unser Silvester zu verbringen. Dort soll es doch tatsächlich erträglich für Mensch und Tier sein (!) … und die drei Flaschen Eierlikör für den Hund, die nimmt man dann einfach dorthin mit, zusammen mit der einen, kleinen Flasche „Piccolo“, die völlig ausreichen würde, weil: mit einem überaus berauschten Hund, sollten wenigstens dessen Menschen den Durchblick behalten. Nächstes Silvester machen wir das genau so … ganz bestimmt.
Denn: ALLES IST MÖGLICH und das, in allen erdenklichen Farben!
Doch leider beseitigen diese Maßnahmen das eigentliche, üble Problem, nicht. Trotzdem möchte ich ein gutes und auch schönes Neues Jahr 2026 wünschen, so GUT und so SCHÖN es eben geht … egal, ob nun mit oder ohne Likör und ob mit oder ohne Hund.
Maren Simon am 31.12.2025


