MEIN GRÜNER FADEN


Er zieht sich durch das gesamte Werk. Angefangen bei der Grafik, deren Regeln ich in Leipzig studierte, um Bücher mit meinen Illustrationen zu versehen, damit die Leser auch die Schönheit eines Unkrautes erkennen sollten. Später dann, im mittelmärkischen Sand stehend, tat ich das, was ich allein im Stande war zu tun, ich malte. Landschaften, weite Himmel und immer öfter auch Portraits. Der Mensch wurde in seiner Widersprüchlichkeit immer interessanter für mich.


Und dann entdeckte ich den Glindower Ringofen und das Areal der alten Ziegelei. Die Anfänge waren mühsam, aber mich faszinierten das bodenständige Ambiente und die rustikale Technik. Meine Bemühungen perfekter und immer besser zu werden, machte der Zufall oft zunichte und so ergaben sich die allerschönsten Schiffbrüche, aus denen ich lernte Neues für mich zu entwickeln.
Die grüne Philosophie durchzieht meine Arbeit auch hier und so sind es immer wieder Portraits von Menschen, die Verletzbarkeit zeigen. Ich empfinde den Verlust menschlicher Werte als das Hauptproblem unserer Zeit. Wenn Bäume misshandelt werden und Tiere nur noch eine „Sache“ sind, dann ist auch der Mensch nur noch so viel Wert, wie er tatsächlich in Form von Kleidung auf dem Leibe trägt. Und ich behaupte, wir bewegen uns derart abgestumpft und bar jeder Empathie, auf hohem Niveau in die Steinzeit zurück.


Des Menschen Intellekt, seine berechnende Denkweise, seine Empfindlichkeit und seine Fähigkeit gegen fremdes Leben unendlich grausam vorzugehen, wenn es dem eigenen Nutzen dient, macht ihn zum Täter und zum Opfer zugleich. Den letztendlich daraus resultierenden Sprüngen und Brüchen in menschlichen Biographien, gilt mein Interesse. Sensible Portraits mit der Rakutechnik verfremdet, die ursprünglich Teeschalen zierte, sprechen von Verletzbarkeit und Vergänglichkeit, nicht in diese Zeit passen wollend, wo Schönsein alles bedeutet. Und, wenn dann „Body“ auf „Brain“ trifft, amüsieren sich die Leute, aber ich hoffe, irgendwann bleibt ihnen das Lachen im Halse stecken. Hoffentlich bald, denn es ist später, als wir denken.

MAREN SIMON 2008